Gedanken

Texte und Gedanken zur Fußwallfahrt 2018 nach Mariaort
(von Johannes Ott)

Masken
In Würzburg, auf der alten Mainbrücke, ging ein schriller Typ umher. Geschminkt, bunte Socken, tätowiert, bunte Haare, buntes Käppi, jeden Tag ein anderes Aussehen. Ein Mensch, bei dem man sich denkt: Sowas sieht man nicht alle Tage, was ist denn das für einer.
Sein Motto war: Legt eure Masken ab. Wir sollen doch nur so sein, weil andere uns so sehen wollen. Sind wir noch selber, vertragen wir noch die Wahrheiten, die uns irgendwer um die Ohren haut (Klar kommt es hier auf den Ton an). Sein wie man ist. Man braucht Mut, um das zu sagen, was man denkt und wie man ist und nicht wie einen die Leute haben wollen. Soll man eine ehrliche oder passende Antwort geben? Was sage ich mit meiner Antwort aus? Gebe ich mich Preis, dass ich von bestimmten Dingen keine oder wenig Ahnung habe und somit meinem Gegenüber leider nicht mithalten kann. Wenn mich einer nach meinem Musikgeschmack frägt, dann hat er mich durchschaut. Ist es Hardrock, Jazz, Klassik, Pop, Volksgut, ganz zu schweigen vom neuen geistlichen Liedgut. Die Antwort drückt Dir einen Stempel auf.
Warum sagen wir nicht, so bin ich, das mag ich, das mag ich nicht, da bin dafür und da dagegen.
„ A Meinung ham, dahinter stehn. Den Weg vom Anfang zu Ende gehen
Wenn sei muaß ganz allan do oben stehn. A Meinung ham. Dahinter stehn“
So heißt es in einem Lied von Andreas Gabalier.
In einem Lied von Cat Stevens heißt eine Zeile: Wenn Du Du sein willst, sei Du selbst. Und wenn Du jemand anderes sein willst, dann sei einfach jemand anderes. Hauptsache, Du bist glücklich.
In diesem Sinne – viel Vergnügen beim glücklich werden.

Familienkalender
Bei uns im Haus steht ein „Gedanken Geber“. Dabei geht es oft um Familie. Da liest man dann:
Familie ist, einander Trost und Zuneigung zu spenden
Familie ist, von ganzen Herzen zu geben
Familie ist, in Verbindung zu bleiben gerade weil die Zeit so knapp erscheint
Familie ist wie ein warmer Schal an kalten Tagen
Familie ist, wenn auch mal die Fetzen fliegen
Familie ist, sich gegenseitig zum Lachen zu bringen
Familie ist, bei den ersten Schritten in dieser Welt gehalten zu werden. - Egal ob dies wirklich die ersten Schritte sind, oder die ersten Schritte in sein eigenes Leben.
Familie ist, den Weg durch das Leben gemeinsam zu gehen.
Familie, was trägt uns, wenn nicht dieses? Von den früheren Großfamilien zu den heutigen Patchworkfamilien. Ich weiß nicht, was besser ist. Eines ist auf jeden Fall klar: Bei der Großfamilie mit Großeltern, Eltern und Kinder hat man gewusst, wer zu wem gehört. Ein gegenseitiges Helfen war hier selbstverständlich. Eines musste klar sein: Wer hat das Sagen. Vom Vater zum Sohn. Heute ist die Familie ein Konstrukt, das funktionieren muss. Funktioniert es nicht, gibt es Streit, bis zu ewigem Schweigen. Jeder hat seine feste, unverrückbare Meinung bzw. Anschauung. Hier bedarf es auch Mut, das zu sagen was drückt. Was ist an einer Meinung oder Wahrheit so schwer? Ich hatte auch vor kurzem ein Gespräch in der Familie, vor dem ich großen Respekt hatte. Was kam dabei raus: Ein gegenseitiges Verstehen, andere Blickwinkel, ein Verständnis für den anderen, eine Umarmung am Ende mit dem Versprechen, sich gegenseitig weiter zu helfen. Es hat gar nicht weh getan. Manchmal braucht es wirklich ein kleines überwinden, damit Missverständnisse klargelegt werden. Es ist so viel Unheil auf der Welt, da sollte man in der Familie nicht anfangen.

Miteinander sprechen – Gedanken zum Tag von BR 1
Wird sprechen bei uns immer seltener? Lieber gefühlte oder tatsächliche 200 WhatsApp-Nachrichten für gleichzeitig 10 Personen in einer Gruppe, mit den dazugehörigen 10 Meinungen anstatt eines Anrufes mit der richtigen Person und dem Ergebnis: „so mach mas“. Gut, manchmal ist es ganz praktisch, um z.B. einen Probentermin auszumachen. Dennoch darf man nicht übersehen: Wer redet, öffnet sich, wer nicht redet verschließt sich. Auch hier richtet man sich wieder nach den anderen. Ich amüsiere – auch bis zum Ärger, weil es ständig bimmelt – bei unseren Kindern. Bis da ein Termin ausgemacht wird, ist quasi die halbe Nacht rum. Früher war es eine Uhrzeit und wer da war, war da. Wenn nicht, ist derjenige nachgekommen. Wieviel Zeit geht hier ins Land. Wertvolle Zeit. Sei es um die Nachricht zu schreiben, oder auch zu antworten. Zeit in der man miteinander reden könnte. Zeit in der man in einen flachen Kasten blickt, den man in der Hand hält, der aber uns im Griff hat. Moderne Technik – Fluch oder Segen? Es wird übertrieben. Online sein. Die Welt wissen lassen wo ich bin, was ich mit wem tu. Wir unterschreiben Datenschutzerklärungen und öffnen uns für die Welt. Wer versteht‘s?
Lieber schreibt man sich elend lange WhatsApp, anstatt mit einem zu telefonieren. Fehlt uns jetzt schon der Mut zum Reden? Früher hieß es: Das Reden macht Sach aus. Haben wir noch was oder ist alles nur Schein und Sein?

Umarmung
Vor kurzem hörte ich im Radio, dass die neueste Wellnesskur das „Waldbaden“ ist. Damit meint man nicht schwimmen in einem Wald-Bad. Sondern mit einem Förster nur durch den Wald marschieren, die Luft genießen, den Vögeln zuhören, die Hände in den Waldboden stecken. Es ist gedacht für Menschen, die kurz oder schon im Burnout sind und für so etwas keine Zeit haben. Auch das muss man sich erkaufen. Wie schizophren. Stellen sie sich vor, sie zahlen Eintritt für die Wallfahrt, denn wir machten auch gerade „Waldbaden“.
Es wird auch ein Baum umarmt, der einem Kraft geben soll. Klar Bäume haben was an sich. Die Frage ist, wann haben diese Menschen das letzte Mal einen Menschen umarmt? Wann haben sie zum letzten Mal einen Menschen umarmt, angefangen vom Partner, den Eltern, Verwandtschaft, zu einem Besuch, einen Fremden. Umarmen gibt eine gewisse Art von „gemeinsam sind wir stark“ weiter. Wie gut fühlt es sich an, wenn man merkt, man ist nicht allein. Es ist ein Gefühl von „gehalten sein“, „aufgefangen sein“ sich anlehnen können. Soviel im Leben muss man alleine bewältigen, wie froh ist man dann, wenn man sich wo aufgefangen fühlt. Ich glaube, da ist ein bisserl unser Herrgott versteckt, wenn er einen schickt der uns auffängt und hält.

Werbung
Unbewusst fahren wir mit Werbung durch die Gegend, wenn wir in unser Auto steigen, wenn wir bestimmte Kleidung anhaben, wenn wir bestimmte Getränke trinken und bestimmtes Fastfood essen. Wir machen unbewusst Werbung. In Stadien laufen ständig die Bandenwerbung, damit dies in irgendwelchen Köpfen fest verankert wird.
Wir machen gerade auch Werbung: Werbung für das Wallfahren, für den Glauben, für das Christ sein. Wobei sich die Frage stellt, ist man Christ, nur weil man zur Wallfahrt geht? Aber sich sehen lassen, dafür Werbung machen, seinen Mann bzw. Frau zu stehen und sagen: ja – ich tu es, ich bin es und ich bin mit Überzeugung dabei – bringen wir das fertig? Zur Werbung gehören auch Gesichter. Hinter jedem Produkt ist ein Gesicht. Sich sehen lassen und – Datenschutz hin oder her – dazu stehen um zu zeigen das man hier mit dabei ist. Vieles wird immer stiller, weil keiner mehr da ist, der sich vorne hinstellt und sich bekennt für das was er tut. Egal ob Verein oder Kirche.
Man kann auch Werbung für sich selber machen. Talente daheim zurückbehalten ist in meinen Augen nicht richtig. Es gibt so viele Talente und Fähigkeiten die daheim hinter den vier Wänden schlummern. Gut es ist nicht jedermanns bzw. -frau Sache, sich vorne hinzustellen. Aber einer unter ein paar zu sein und sich sehen lassen, dass wäre doch gut. Aber Achtung, es bringt die Gefahr von Arbeit mit sich. Arbeit die man aber einteilen kann und mit der man etwas weitergibt. Ist es nicht schön was zu erarbeiten und dann jemanden Andern Freude zu machen? Trau Dich!!


Der Herrgott wird scho richten
Was soll er noch alles tun, sich um den Weltfrieden kümmern, den Hunger in Afrika lindern, die „Kirche“ wieder so richten wie sei damals der Sohn vorgesehen hätte und wie Papst Franziskus bemüht ist, dies wieder andere Gedanken zu fassen
Bei uns Luxusdeutschen solle er auch noch sich ums Wetter kümmern, die Probleme in der Familie lösen, den Politiker gute Gedanken geben usw. Unser Herrgott hat es schon nicht leicht. Wäre es da nicht besser, selbst Hand bzw. Wort anzulegen, Tatsachen zu schaffen. Wie heißt es: Er hat nur unsere Hände, er hat nur unseren Mund, unsere Füße, unseren Verstand. Warum nehmen wir das nicht her? „Ora et labora“ – „Bete und arbeite“. Ein deutliches Wort gegenüber Kindern, Partnern, Arbeitskollegen würde die Arbeit vom Herrgott um vieles vereinfachen. Zu sagen, das habe ich dem Herrgott übergeben, ist schon einfach. Wenn es nichts wird, dann ist der Herrgott auch noch schuld. Ist das ein Problem der heutigen Zeit, dass wir immer einen Schuldigen brauchen? Nie waren wir es selber, keiner unterschreibt mehr, keiner hat das Kreuz zu sagen, so tun wir es und ich stehe hinter dir. Man geht von einem Meeting zum andern, ein Gespräch zum nächsten von den WhatsApp und Mails ganz zu schweigen. Oft mir den Worten: „Dann seng mas scho“ und nicht „so mach mas“. Und wenn scho der Herrgott dann nicht alles richtet – wir auf Erden können es doch sowieso nicht – oder? Unser Herrgott kann uns nur begleiten, getan werden muss es selber.
Wenn es manchmal Bilder von der Raumstation ISS gibt und man von oben die Erde betrachten kann und man eben nur diesen Erdball sieht, dann denke ich mir schon: woher soll unser Herrgott jetzt wissen wer was braucht? Da siehst Du keinen laufen. Somit kann er nur da Ganze betrachten und vielleicht noch die Wichtigen dieser Erde, damit die Erde das bleibt, was sie ist. Ein herrlicher, bewohnbarer Planet. Es steht alles in den 10 Geboten, dann würde es uns allen gut gehen. Aber wenn man diese nicht kennt – na ja, dann kann der Herrgott auch nicht helfen.


Habe fertig!

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass die 12- 16 Stunden, die man an einem normalen Tag zur Verfügung hat, nicht reichen? Weil man wollte ja noch so viel tun, aber es kam wie immer alles anders. Dazu folgendes:
Wenn man in Italien Urlaub macht und mit etwas fertig ist, wie z.B. beim Essen in einem Restaurant, dann darf man nie sagen: Finito
Finito ist falsch denn es muss heißen: Ho finito – ich bin mit etwas fertig. Nur „finito“ bedeutet: Es ist aus. Tod.
Wenn das so ist, dann will ich am Ende eines Tages nicht mit „finito“ den Tag beenden. Ich bin vielleicht fertig mit meinem Tagwerk. Vielleicht hab ich es auch nicht ganz geschafft, was ich mir vorgenommen hatte, oder was andere von mir erwartet hätten. Aber was erledigt ist, lege ich jetzt eben für die Stunden der Nacht auf die Seite. Für den Tag der zu Ende geht, lass ich es gut sein, denn ich schließe ab. Da passt, was in einem Psalm in der Bibel steht: „In Frieden leg‘ ich mich nieder und schlafe ein; denn du allein, Herr, du läßt mich sorglos ruhen (Ps 4,9)
Ho finito, ich habe fertig, so sprach ein Fußballtrainer aus Italien.
Ja. Für den Tag heute „habe ich fertig“. Ho finito. Mit dem Leben bin ich nicht fertig – wenigstens wenn’s nach mir geht und so Gott will. Morgen ist auch noch ein Tag.


Pfiati

Was ist doch bayrisch für eine schöne Sprache.
Da gibt es das Wort: Pfiati.
Pfiati, das heißt: Behüt dich! Behüt dich Gott, will man damit sagen.
Das ist mehr als „Pass auf Dich auf“ und „Alles Gute“. Das wäre zu wenig. Man will sagen: Was immer heut noch auf dich zukommt, wer auch immer dich verletzt, was auch immer Dich heut aus der Fassung bringt: Sei behütet. Gottes Segen, der ist da, er begleitet dich.
Somit möchten wir uns heut auch von Ihnen / Euch verabschieden mit einem Pfiati. Seid behütet, wohin ihr auch geht – Also Pfiati – Pfiati Gott!